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Kents verschollene Korrekturen

Die Irrwege eines Repertoriums.

Dr. Currim stolpert über Fehler

Repertorium Kent 6. Ausgabe – persönliches Exemplar von Dr. Mittal

Bereits 1972 fiel Dr. Currim auf, dass Kents Repertorium in seiner dritten Auflage viele Druckfehler enthält und es erstaunte ihn, dass Kent diese Fehler nicht berichtigt hatte. Es stellte sich heraus, dass Kent die Herausgabe dieser dritten Auflage nicht mehr erlebte.

Zur Erinnerung: Kent starb am 6. Juni 1916.

Logischerweise begann nun die Suche nach der zweiten Aufl age des Repertoriums. Selbst Roger Ehrhart, der Erbe der Ehrhart Familie, der die berühmte homöopathische Apotheke von Ehrhart und Karl gehörte und die die ursprünglichen herausgeber von Kents Repertorium in der dritten, vierten, fünften und sechsten amerikanischen Auflage waren, konnte nichts über den Verbleib von Exemplaren der zweiten Aufl age sagen.

Erst ein Artikel von Dr. K. C. mittal in der Januar/Februar-Ausgabe des Aih Journals von 1963, gab einen ersten Hinweis auf die Existenz von Kents eigenem, persönlichen Repertorium.

Dieses Repertorium war im Besitz von Dr. Pierre Schmidt in Genf. im Juni
1972 kam Dr. Currim nach Genf und sprach mit Dr. Pierre Schmidt über die Fehler, die er in Kents Repertorium gefunden hatte und über den Artikel von
Dr. Mittal. Dr. Currim bat ihn, Licht in dieAngelegen heit zu bringen.

Eine geheimnisvolle Geschichte

Dr. Pierre Schmidt erzählte, dass Dr. Mittal zu ihm nach Genf gekommen war und eifrig mit Kents eigenem, persönlichen Exemplar der zweiten Ausgabe des Repertoriums gearbeitet hatte und sorgfältig jede Korrektur aus Kents original in sein Exemplar übertragen hatte. Zusätzlich hatte Dr. Mittal auch alle Korrekturen aus den zwei Kapiteln  "Mind [Gemüt] und "Generalities (Allgemeines] in ein Exemplar einer indischen Ausgabe im Besitz von Dr. Pierre Schmidt kopiert, das er Dr. Currim auch zeigte.

In diesem Band waren sehr sauber kopierte Korrekturen in einer sehr symmetrischen Handschrift. Diese ist vermutlich identisch mit der auf dem Faksimile einer solchen Seite im sogenannten "Kents Final General Repertory".

Man beachte, dass die Handschrift auf diesem Faksimile sich absolut von Kents Unterschrift unterscheidet, die ebenso in diesem Buch im Vorwort zu finden ist. Bei der Handschrift im Faksimile handelt es sich also wahrscheinlich um die von Dr. Mittal.

Dr. Pierre Schmidt erzählte weiter, dass Dr. Mittal nach Abschluss dieser Arbeit aus der Schweiz "davongelaufen" sei, wobei er den Schatz mitnahm, sowie natürlich sein eigenes Exemplar, in das er die Korrekturen eingetragen hatte.

Diese "Kopie" wäre also ebenso gut wie das "Original" selbst. Wenn im folgenden von der "Kopie" die Rede sein wird, so ist damit das Exemplar von Dr. Mittal gemeint.

Später erfuhr Dr. Currim von Frau Dora Schmidt-Nagel, der Gattin von Pierre Schmidt, wie dieser in den Besitz dieses unschätzbaren Schatzes gelangt war: Dr. Eugene Alonzo Austin, ein treuer Schüler Kents, hatte ihm 1939 das Buch weitergegeben, als dieser in die uSA gereist war, um bei einem der besten Schüler von Kent Homöopathie zu lernen. Schon damals war geplant, die Korrekturen einzuarbeiten, was aber nie verwirklicht wurde, weshalb die Nachkriegsausgaben – und damit praktisch alle, auf denen heutige – auch deutsche Versionen – beruhen, nicht dem "letzten" Stand entsprechen.

Die Suche

Handschriftlich kopierte Korrekturen im

1973 löste Dr. Currim seine Verpflichtungen in den uSA auf und begann ein Medizinstudium an der Universität von Brüssel. Von Kents Werken inspiriert, trieb es ihn zur Homöopathie, wobei er erhoffte, dort auch seine Kenntnisse in Bezug auf Mathematik und Informatik einsetzen zu können. Während dieser Jahre als Medizinstudent hatte er zudem regelmäßig Kontakt mit Frau Schmidt-Nagel.

1978 reiste Dr.Currim nach indien, mit einem Schreiben von Frau Schmidt-Nagel an Dr. Mittal in der Tasche.
Es erwies sich als äußerst schwierig, Dr. Mittal zu finden, da er selten irgendwo länger blieb. Aber nach einer Reise kreuz und quer durch Indien machte Dr. Currim ihn schließlich ausfindig, wobei ihm der Brief von Frau Schmidt-Nagel alle Türen öffnete.

Dr. Mittal gab offen zu, dass er den Schatz mit sich genommen habe. Nach längerem Gespräch einigte man sich darauf, gemeinsam alle Anstrengungen zu unternehmen, damit diese Korrekturen eingearbeitet würden.

Zu diesem Zeitpunkt be kam Dr. Currim jedoch keines der Werke zu Gesicht. Dr. Mittal erzählte, dass er von Dr. Schmidt verfolgt würde, der Interpol eingeschaltet hatte, um den Schatz wieder zu erlangen. Er sagte, dass er ständig schikaniert und bedroht worden und er vor diesen menschen auf der Flucht sei.

Jedoch wurde der Schatz nie gefunden und in der Tat hatte Dr. Mittal den Schatz in kleine Stückchen
zerschnitten (man stelle sich dies einmal vor!), von denen er im Moment einige bei sich trug und von denen einige in einem Dorf versteckt waren.

Dr. Mittal setzte Dr. Currim davon in Kenntnis, dass seine Kopie sowie die Stückchen des Schatzes in einer anderen Stadt lagerten, von der er Dr. Currim bei anderer Gelegenheit, wenn er wiederkäme, erzählen würde.

Während des Aufenthalts in Indien kam es auch zu einem Treffen mit Dr. D. H. Chand, wo Dr. Currim das Exemplar der indischen Ausgabe, die Dr. Pierre Schmidt gehört hatte, und das nachträge aus "Mind" und "Generalities" enthielt, zu sehen bekam und ebenso einige hundert Stückchen und einige Seiten des Schatzes.

Der zweite Besuch – Wiederentdeckung des Schatzes

1980 fuhr Dr. Currim erneut nach Indien, wobei in der vorangegangenen Zeit ein sporadischer Briefwechsel zwischen Dr. Mittal und ihm bestanden hatte. Wieder war es schwierig, Dr. Mittal ausfindig zu machen.

Gemeinsam reisten sie dann in ein kleines Dorf, Rampur, wo er, wie er sagte, seine Kopie des Repertoriums versteckt hatte, zusammen mit den Überresten des Schatzes, also des zerschnittenen Originals.

Dr. Currim ließ die Unannehmlichkeiten einer langsamen, langen Zugreise über sich ergehen. In Rampur kam es
dann zu einer Besprechung zwischen dem Familienoberhaupt und Dr. Mittal, wonach ihm mitgeteilt wurde, er müsse ein weiteres Mal wiederkommen, da die Bücher in einer kleinen Holzhütte in den Feldern versteckt seien, und dass die 20 km Fahrt mit dem Motorrad in dieser Jahreszeit nicht möglich sei.
Vergeblich erklärte er, dass er nur begrenzt Zeit zur Verfügung und bereits einen so weiten Weg aus den uSA zurückgelegt hatte. Nach langer Überredung wurde er gebeten, nach sieben Tagen wiederzukommen.

Dr. Currim war verständlicherweise sehr entmutigt, als er nach Bombay zurückkehrte.
Trotz dieser Entmutigung gelobte er, es vor der Rückreise in die USA noch einmal zu versuchen. Er verließ Bombay und traf Dr. Mittal in Delhi, von dort ging es wieder nach Rampur.
Diesmal bat Dr. Mittal den Mann, seine Bücher hervorzuholen und nach vielem Hin und Her wurde ein großes Bündel, das in einem großen, schmutzigen Tuch eingewickelt war, hervorgebracht und der Inhalt fiel auf den Boden. In dem haufen war Dr. Mittals Exemplar des Repertoriums, eine weitere indische Ausgabe des Repertoriums, ein Exemplar der ersten Auflage von Kents Repertorium, die 1899 veröffentlicht worden war und zwei Bände von Vorlesungen zur Materia medica, die von Kent gehalten worden waren und die seine Studenten abgetippt hatten.

Dr. Mittal sagte, Dr. Currim solle dies Material mit sich in die uSA nehmen. Zusätzlich vertraute er ihm
tausende der Stückchen des zerschnittenen Schatzes an. Zusammen mit diesen Stücken verließ Dr. Currim Delhi und flog von dort in die uSA. Beim Zwischenstop in Frankfurt rief er Frau Schmidt-Nagel an und erzählte ihr voller Freude von den wiederentdeckten Schätzen.

Zerschnitte „Schnipsel“ aus Kents Original

Mühevolle Detektivarbeit

Seit 1980 hat Dr. Currim das Material gesichtet, das ihm von Dr. Mittal anvertraut worden war. Es sind einige tausend Stücke des Schatzes (in Kents eigener Handschrift) vorhanden, die zerschnitten wurden.

Es gelang ihm, in mühevoller Kleinarbeit einige hundert dieser Stückchen zu identifizieren und mit Kents Repertorium in der dritten Auflage zu vergleichen. Es stellte sich heraus, dass Dr. Mittals Kopie die exakten Korrekturen von Kent enthielt.

Mithilfe von 44 fast vollständigen Seiten des Originals lässt sich zudem nachweisen, dass die Faksimileseite, die in der indischen Ausgabe von 1980 erschien (also in Kents "Final General Repertory") eindeutig nicht die Schrift von Kent zeigt, sondern aller Wahrscheinlichkeit die Gandschrift von Dr. Mittal trägt.

Was bedeutet die Entdeckung des "Homöopathie-Schatzes"?

Mittlerweile werden diese Kontrollarbeiten mit dem Computerprogramm RADAR durchgeführt und es kann als erwiesen betrachtet werden, dass Mittal´s Kopie Punkt für Punkt mit den Original-Korrekturen von Kent übereinstimmt, wodurch es möglich wurde, Kents Korrekturen das erste Mal in der Geschichte der homöopathischen Gemeinschaft zugänglich zu machen.

Wie bereits erwähnt, erschien 1980 in Indien eine revidierte Ausgabe von Kents Repertorium unter dem Titel "Kent´s Final General Repertory". Dieses Buch wurde von Dr. Pierre Schmidt und Dr. Diwan harish Chand "überarbeitet, korrigiert, erweitert und bearbeitet".

Nach dem bereits Geschilderten und nach näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass nicht Dr. Mittals Exemplar die Basis dieses Werkes darstellte, sondern ein exemplar eines gewissen Herrn Shindoo, der Dr. Mittal für einige Tage besucht hatte und dort in aller Eile Korrekturen übertrug – was zu einigen Fehlern führte.

Zudem enthält das Exemplar von Dr. Mittal auch Einträge, die aus Kents eigenem Exemplar von Herings Guiding Symptoms stammen, aber von Shindoo nicht als solche gekennzeichnet wurden und – das ist wichtiger – letztlich keine Korrekturen von Kent sind. Es wurden auch keine akribischen Quellenstudien durchgeführt, um den Nachweis über die Genauigkeit Shindoos Abschrift durchzuführen.

Kurz und gut: bei diesem "Final General Repertory" handelt es sich keineswegs um eine "Finale Version" d.h. eine Ausgabe letzterhand mit allen Originalkorrekturen Kents.

Leider hielt Dr. Mittal den Kontakt mit Dr. Currim nicht aufrecht, weshalb die Bearbeitung von Kents Repertorium von Dr. Currim alleine durchgeführt werden mußte und zwar in Zusammenarbeit mit Archibel,
dem Hersteller der RADAR-Software und dem hahnemannian international institute for homeopathic Documentation, dessen mit begründer Dr. Currim ist.

Zusammenfassend kann man sagen: erstmals in der Geschichte wurde es möglich, Kents eigene Korrekturen zu veröffentlichen.

Sie sehen, die Geschichte der homöopathischen Literatur ist manchmal ein spannender Krimi:
Da reist ein Buch von den USA in die Schweiz, das Original wird nach Indien verschleppt und zerschnitten, eine Kopie endet im Jutesack und gelangt in die Hände eines unermüdlich suchenden ehemaligen Mathematikers …

Dies alles verdanken wir Ahmed N. Currim, M.D., Ph.D., Norwalk, Connecticut.

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